Rose: Kapitel 7

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Kapitel 7: Defensiv spielen

In den ersten Kapiteln haben wir viel über Strategien gelernt, die darauf abzielen, den besten Zug zu finden: Ecken gewinnen, sichere Steine bilden, leise Züge machen, usw. Es gibt jedoch eine weitere Sache, die mindestens genauso wichtig ist - nämlich deinen Gegner daran zu hindern, genau diese guten Züge setzen zu können. In diesem Kapitel werden wir also die defensive Spielweise besprechen, die darauf abzielt, dem Gegner gute Züge wegzunehmen. Wenn du dir den Verlauf von Expertenspielen näher ansiehst, wirst du sicherlich mehrere defensive Züge finden.

Im Wesentlichen gibt es drei Arten von defensiven Zügen. Eine davon ist es, Steine des Gegners umzudrehen und ihm dadurch gute Zugmöglichkeiten zu nehmen. Ein einfaches Beispiel sehen wir in Diagramm 7-1. Hier beabsichtigt Weiß, die a8-Ecke zu nehmen, was natürlich ein sehr guter Zug ist. Wenn jedoch Schwarz nach g8 setzt und den Weißen Stein auf f8 umdreht, kann er Weiß daran hindern die Ecke zu nehmen.

Die zweite Möglichkeit, defensiv zu spielen besteht darin, selber dorthin zu spielen, wo dein Gegner gerne hinspielen möchte. Im Diagramm 7-2 würde Weiß gerne die a8 Ecke nehmen. Die einzige Möglichkeit für Schwarz, dies zu verhindern, ist selbst die Ecke zu nehmen. In diesem Fall ist es für Schwarz genauso vorteilhaft, die Ecke zu nehmen; in anderen Situationen ist dies aber oft das Ziel des Gegners, um beispielsweise damit einen lauten Zug zu erzwingen.

Die dritte Möglichkeit, devensiv zu spielen ist es, den guten Zug des Gegners irgendwie weniger attraktiv zu machen. In Diagramm 7-3 hat Weiß einen guten Zug nach f8. Schwarz kann Weiß unmöglich den Zugang zu f8 nehmen, jedoch besteht die Möglichkeit, den Zug sehr viel unattraktiver zu machen, indem Schwarz f7 spielt. Wenn Weiß nun f8 spielt, würde dadurch die gesamte f-Spalte umgedreht werden.


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Diagramm 7-1: Diagramm 7-2: Diagramm 7-3:
Schwarz ist am Zug Schwarz ist am Zug Schwarz ist am Zug


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Diagramm 7-4: Diagramm 7-5: Diagramm 7-6:
Weiß ist am Zug Schwarz ist am Zug Weiß ist am Zug


Diagramm 7-4 zeigt eine Eröffnungsposition, die oft zu einer Serie von Zügen führt, Weiß in der Defensive und Schwarz in der Offensive. Beachte jedoch, dass dies nicht heißt, dass die Eröffnung vorteilhaft ist für Schwarz. Jedesmal, wenn Schwarz an der Reihe ist, versucht dieser einen sehr leisen Zug vorzubereiten, Weiß kann dies aber immer wieder durch defensive Züge verhindern und die Eröffnung ist in dieser Situation vorteilhaft für Weiß. In Diagramm 7-4 hat Schwarz einen leisen Zug nach f6, Weiß nimmt ihm diese Möglichkeit aber mit dem Zug nach d2, da dadurch der Spielstein auf d4 umgedreht wird (siehe Diagramm 7-5). Beachte, dass Weiß als Alternative selber f6 spielen könnte. Dadurch würden aber zwei Frontsteine umgedreht und es entstünde eine lange Mauer, d2 ist also der bessere Zug.

Schwarz stellt mit dem Zug nach g4 den Zugang nach f6 wieder her (Diagramm 7-6) und Weiß nimmt ihm wieder den Zugang durch den Zug nach b6 (Diagramm 7-7). Hier gibt es wieder Alternativen. Zum Beispiel könnte Weiß den Zugang mit dem Zug nach c3 (Diagramm 7-8) verhindern, was ein wenig laut aber nicht verkehrt wäre. Weiß könnte auch f6 selber spielen, was aber wirklich zu laut wäre und Schwarz eine sehr gute Zugmöglichkeit nach g5 geben würde. Eine weitere Möglichkeit im Diagramm 7-6 wäre, dass Weiß nach g6 setzt (Diagramm 7-9), was den Zug von Schwarz nach f6 sehr viel unatraktiver machen würde, da dadurch der Frontstein auf f5 umgedreht werden würde.


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Diagramm 7-7: Diagramm 7-8: Diagramm 7-9
Schwarz ist am Zug Schwarz ist am Zug Schwarz ist am Zug


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Diagramm 7-10: Diagramm 7-11: Diagramm 7-12:
Weiß ist am Zug Schwarz ist am Zug Schwarz ist am Zug


Im Diagramm 7-10 sehen wir, wie Schwarz mit dem Zug auf b5 versucht, einen leisen Zug auf c3 vorzubereiten. Hier hat Weiß wieder zwei Möglichkeiten um darauf zu antworten. Im Diagramm 7-11 sieht man, wie Weiß den Zugang von Schwarz nach c3 unterbindet, indem der schwarze Spielstein auf e5 umgedreht wird. Im Diagramm 7-12 setzt Weiß selber den Zug auf c3.

Wie die letzten Beispiele zeigen, ist es gewöhnlich das beste, einen defensiven Zug zu machen, um den Gegner daran zu hindern, einen guten Zug machen. In einer Position, die beispielsweise Diagramm 7-10 zeigt, ist der Zug von Schwarz dermaßen gut, dass Weiß ihn unbedingt verhindern muss. Weiß könnte natürlich selber einen leisen Zug setzen, zum Beispiel g5. Jedoch wäre sogar ein lauter Zug wie beispielsweise e7 (dreht den schwarzen Spielstein auf e5 um) besser, als Schwarz nach c3 setzen zu lassen.

Diagramm 7-3 zeigte uns ein Beispiel, in dem es möglich war, den besten gegnerischen Zug weniger attraktiv zu machen. Während dieses Beispiel ziemlich extrem war, sieht man, dass raffiniertes defensives Spiel sehr effektiv sein kann. Zum Beispiel hat Schwarz im Diagramm 7-13 einen guten Zug nach f6. Weiß kann dies mit dem Zug nach d2 verhindern (Diagramm 7-14). Dieser Zug ist zwar nicht schlecht, die meisten Experten würden jedoch g6 bevorzugen (Diagramm 7-15).


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Diagramm 7-13: Diagramm 7-14: Diagramm 7-15:
Weiß ist am Zug Schwarz ist am Zug Schwarz ist am Zug


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Diagramm 7-16: Diagramm 7-17: Diagramm 7-18:
Weiß ist am Zug Schwarz ist am Zug Weiß ist am Zug


Nach dem Zug auf g6 ist der beste Zug von Schwarz immer noch f6 (Diagramm 7-16). Danach hat jedoch Weiß eine gute Zugmöglichkeit nach g5 (Diagramm 7-17). Setzt Weiß ausgehend vom Diagramm 7-13 keinen defensiven Zug, kann Schwarz einen klaren Vorteil herausspielen. Setzt Weiß zum Beispiel 14./f2, antwortet Schwarz darauf mit dem Zug nach f6 (Diagramm 7-18). Nun ist es für Weiß zu spät, nach g6 zu setzen, da dadurch der Spielstein auf f5 umgedreht wird und Weiß damit keine Zugmöglichkeit mehr nach g5 hat, wie noch im Diagramm 7-16 beschrieben. Schwarz nützt den Zugang über f5 nun nämlich, um selbst nach g5 zu setzen.

Diagramm 7-19 zeigt ein Beispiel, bei dem es sowohl wichtig ist, die Offensive als auch die Defensive zu beachten. Auf den ersten Blick scheint c2 der offensichtlich beste Zug für Schwarz zu sein (Diagramm 7-20). Es ist ein sehr leiser Zug, mit dem nur innere Spielsteine umgedreht werden, und durch den Weiß keine einzige neue Zugmöglichkeit vorfindet. Berücksichtigt man jedoch die Defensive und die Offensive, bietet sich Schwarz eine viel bessere Zugmöglichkeit, nämlich b5 (Diagramm 7-21)! Der Zug mag auf den ersten Blick als zu laut erscheinen, um gut zu sein, ist aber ein excellenter defensiver Zug, da dadurch der Spielstein auf g5 umgedreht wird. Damit wird Weiß der Zugang zu den zwei potentiell guten Zügen c1 (Tempogewinn an der Kante) und g7 (Angriff auf die unbalancierte schwarze Kante) verwehrt. Außerdem hat Schwarz immer noch die guten Zugmöglichkeiten nach c2 und nach c6.


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Diagramm 7-19: Diagramm 7-20: Diagramm 7-21:
Schwarz ist am Zug Weiß ist am Zug Weiß ist am Zug




Übungen

Finde in jedem Diagramm einen guten defensiven Zug. Die Lösungen findest du hier.


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Übung 7-1: Übung 7-2: Übung 7-3:
Weiß ist am Zug Schwarz ist am Zug Weiß ist am Zug


RoseExe07-04.png RoseExe07-05.png RoseExe07-06.png
Übung 7-4: Übung 7-5: Übung 7-6:
Schwarz ist am Zug Weiß ist am Zug Weiß ist am Zug



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